In diesem Beitrag beantworten wir folgende Fragen:

  • Von wem werden Verrechnungspreise geprüft?
  • Was sind die Methoden zur Prüfung von Verrechnungspreisen und was ist die neue Strategie zur Bekämpfung aggressiver Steueroptimierung?
  • Womit beschäftigt sich das neue Kompetenzzentrum in Krakau?

Die Landesfinanzverwaltung (KAS) intensiviert ihre Aktivitäten im Bereich der Verrechnungspreise. Als Reaktion auf die zunehmende aggressive Steueroptimierung hat das polnische Finanzministerium im Sommer 2025 ein neues Kompetenzzentrum der Landesfinanzverwaltung in Kakau gegründet – eine spezialisierte Stelle zur Bekämpfung unlauterer Praktiken im Zusammenhang mit Gewinnübertragung ins Ausland.

 

Was ist die neue Strategie zur Bekämpfung aggressiver Steueroptimierung im Bereich der Verrechnungspreise?

Im Jahr 2024 hat sich der Wert des nachgeschätzten Verrechnungspreiseinkommens in Polen im Vergleich zu 2023 nahezu verdoppelt. Darüber hinaus war dieser Wert allein in der ersten Hälfte 2025 bereits um 30 % höher als im gesamten Jahr 2023.

Als Reaktion auf die wachsenden Herausforderungen der Finanzbehörden im Zusammenhang mit der aggressiven Steuerplanung wurde am 14. August 2025 das Kompetenzzentrum der Landesfinanzverwaltung für aggressive Steuerplanung (im Folgenden auch „Zentrum”) in Krakau gegründet. Sie ist eine Stelle des Zoll- und Finanzamtes Kleinpolen und gilt als ein spezialisiertes Analysezentrum.

Zu den Hauptaufgaben des Zentrums gehören:

  • Analyse von Informationen über aggressive Steuergestaltung,
  • Erhebung und Verarbeitung der Daten aus JPK-CIT und KSeF,
  • Ausarbeitung der bewährten Verfahren und ihre Mitteilung der anderen Stellen der Landesfinanzverwaltung,
  • Vorbereitung von Vorschlägen für Gesetzesänderungen, die es den Steuerpflichtigen erschweren, aggressive Steuerstrategien anzuwenden,
  • Förderung bewährter Verfahren in der gesamten Finanzverwaltung.

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Womit soll sich das neue Kompetenzzentrum in Krakau beschäftigen?

Leiter der Landesfinanzverwaltung Marcin Łoboda hat betont, dass sich die Aktivitäten des Kompetenzzentrums für aggressive Steuerplanung unter Verwendung von Verrechnungspreisen auf mehrere Bereiche konzentrieren werden, darunter auf:

  • Prüfungen und operative Tätigkeit,
  • Analyse und Technologie,
  • Expertenunterstützung.

Dank moderner analytischer Tools kann die Landesfinanzverwaltung ungewöhnliche Transaktionen, insbesondere konzerninterne Transaktionen innerhalb der multinationalen Unternehmensgruppen schneller erkennen. Eine wichtige Aufgabe des Zentrums wird auch darauf beruhen, die Prüfungsverfahren landesweit  zu standardisieren und mit ausländischen Finanzverwaltungen zusammenzuarbeiten.

Gleichzeitig wurde von dem Finanz- und Wirtschaftsminister (mit Verfügung vom 7. August 2025) ein Team zur Bekämpfung aggressiver Steuerplanung in der Körperschaftsteuer ins Leben gerufen.

Dieses Team ist verantwortlich für die Erstellung eines Berichts, der Vorschläge für Lösungen zur Bekämpfung aggressiver Steuerplanung in der Körperschaftsteuer enthalten wird. Dadurch möchten Beamte:

  • internationale Körperschaftsteuersysteme analysieren,
  • schädliche Steuerplanungsmodelle identifizieren,
  • den Aufbau der Widerstandsfähigkeit des Steuersystems durch systematische Maßnahmen unterstützen,
  • die internationale Zusammenarbeit mit Vertretern anderer Finanzbehörden aufnehmen. 

 

Zusammenfassung der Änderungen zu Verrechnungspreisen in Polen

Das polnische Finanzministerium und die Landesfinanzverwaltung bleiben wachsam gegenüber den Schritten der Steuerpflichtigen und ergreifen neue Maßnahmen, die diejenigen Unternehmen erheblich beeinträchtigen können, die zur Anwendung von Verrechnungspreisvorschriften verpflichtet sind. Gerade in diesem Bereich wurde in den letzten Jahren der größte Anstieg der Fälle von Unterschätzung des Einkommens und Versuche der Steuervermeidung verzeichnet.

Derzeit gewinnt die Finanzverwaltung Zugang zu fortschrittlichen analytischen Tools, die eine wesentlich genauere Bewertung der Transaktionen zwischen verbundenen Unternehmen ermöglichen. Die Systeme wie JPK-CIT und KSeF, die detaillierte Daten zu Geschäftsvorfällen sowie zur Struktur von Kapital- und Personenverflechtungen bereitstellen, werden hier eine Schlüsselrolle spielen. Dank spezialisierter Analysen des Kompetenzzentrums in Krakau wird es nun möglich sein, jegliche Abweichungen von Marktpreisen schnell zu erkennen. Jede Transaktion zwischen verbundenen Unternehmen kann in Bezug auf ihre wirtschaftliche Rechtfertigung bewertet und potenzielle Betrugsfälle können schnell entdeckt werden.

Dies ist ein klares Signal, dass in den kommenden Jahren die Verrechnungspreisgestaltung im Mittelpunkt des Interesses der Finanzbehörden stehen wird und die Prüfungen in diesem Bereich intensiver und effektiver werden.