Wichtige Informationen:
Latente Steuern sind ein Bestandteil der Körperschaftsteuer, der erhebliche Auswirkungen auf einen Jahresabschluss hat und sich aus temporären Differenzen zwischen dem Buch- und Steuerwert von Vermögenswerten und Schulden ergibt.
Fehler, die Unternehmen im Bereich der latenten Steuern machen, resultieren meistens nicht aus falschen Berechnungen, sondern aus falschen Annahmen und Modellen, die oft ausschließlich auf der Analyse von Bilanzposten basieren.
Im Bereich der Erfassung der aktiven latenten Steuern stützen sich das Rechnungslegungsgesetz und die IFRS auf das Prinzip, einen Vermögenswert daraus nur insofern zu erfassen, als es wahrscheinlich ist, ihn zu realisieren.
Latente Steuern sind eines jener Posten in dem Jahresabschluss, die ohnehin selten gelesen werden. Wirtschaftsprüfungsgesellschaften bemerken oft, dass viele Buchhalter, die Jahresabschlüsse aufstellen, dieses Element der Gewinn- und Verlustrechnung als technische Pflicht behandeln, während ihre Empfänger (insbesondere solche ohne Erfahrung in der Buchhaltung) es als „buchhaltungsbezogene Abstraktion” betrachten. In der Praxis stellt sich jedoch heraus, dass latente Steuern oft den Ton des Abschlusses wesentlich verändern können. Warum?
Bei der Analyse latenter Steuern ist es zu beachten, dass – abgesehen von den direkt bereitgestellten Informationen – dieser Posten oft das tatsächliche Urteil der Geschäftsführung bezüglich der Vorhersage des zukünftigen Finanzergebnisses darstellt. Gleichzeitig ist es ein Element, das für Personen, die an der Aufstellung eines Jahresabschlusses beteiligt sind, äußerst fehleranfällig ist und für einen Wirtschaftsprüfer von besonderem Interesse ist.
Was sind latente Steuern und wann liegen sie vor?
Einfach und in einem Satz gesagt ergeben sich latente Steuern aus temporären Differenzen zwischen dem Buch- und Steuerwert von Vermögenswerten und Schulden.
- Positive temporäre Differenzen bilden eine Rückstellung.
- Negative temporäre Differenzen bilden einen Vermögenswert.
In der Praxis stoßen wir bei polnischen Unternehmen am häufigsten auf Differenzen, die sich aus
- einem unterschiedlichen Tempo der steuerlichen und bilanziellen Abschreibung,
- einer unterschiedlichen Einstufung und Erfassung von Leasingverhältnissen,
- Wertberichtigungen (auf Vorräte, Forderungen, Sachanlagen),
- Rückstellungen,
- einem steuerlichen Verlustvortrag,
- einer Währungsbewertung (bei der nicht realisierte Währungskursdifferenzen ein Problem sein können)
ergeben.
Beispiel für passive latente Steuern
Unternehmen X schreibt eine Sachanlage schneller steuerlich als bilanziell ab (d.h. verwendet höhere Sätze).
Das Ergebnis: Infolge dieser Maßnahme weist das Unternehmen heutzutage ein geringeres steuerliches Einkommen aus (weil bei ihm höhere Ausgaben entstehen), kann aber in Zukunft auf ein höheres Einkommen zählen (weil die Abschreibung schneller endet).
Daher sollten in der Bilanz passive latente Steuern erfasst werden, weil die aktuelle „Steuerersparnis” in Zukunft das Gegenteil bringen wird.
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Latente Steuern aus Sicht eines Prüfungsteams
Aus Sicht einer Abschlussprüfung sind latente Steuern ein Bereich, in dem Unregelmäßigkeiten meistens nicht aus Rechenfehlern, sondern aus falschen Annahmen und einem nicht ordnungsgemäß angenommenen Berechnungsmodell resultieren.
Aktive latente Steuern (abhängig von zukünftigen Gewinnen)
Das häufigste Problem:
- Das Unternehmen weist einen Vermögenswert aus, erzielt jedoch seit Jahren Verluste.
- Es fehlt eine überzeugende Strategie zur Verbesserung des Finanzergebnisses.
In der Praxis konzentriert sich das Prüfungsteam, das die Prüfung des Jahresabschlusses durchführt, besonders auf Vermögenswerte, die von des zukünftigen Ergebnisses des Unternehmens abhängen, insbesondere wenn deren Realisation auf ehrgeizigen Prognosen basiert, die äußerst schwer zu bestätigen sind. In solchen Fällen ist nicht die Berechnung selbst entscheidend, sondern die Zuverlässigkeit der getroffenen Annahmen.
Unvollständigkeit temporärer Differenzen im Steuermodell
Viele latente Steuermodelle basieren hauptsächlich auf der Analyse von Bilanzposten, die es ermöglicht, anhand von einem Jahresabschluss zu überprüfen, ob es temporäre Differenzen innerhalb eines bestimmten Postens gibt. Dies garantiert jedoch keine vollständige Identifikation aller Differenzen.
Der Ansatz, der auf der Analyse der Posten beruht, übersieht solche Bereiche wie:
- der steuerliche Verlustvortrag,
- nicht genutzte Steuervergünstigungen,
- Abweichungen, die auf einen unterschiedlichen Zeitpunkt der Erfassung von Erträgen und Aufwendungen zurückzuführen sind (und nicht immer in den bestimmten Bilanzposten widerspiegelt werden).
Latente Steuern – wie viele andere Bereiche – erfordern einen umfassenderen Blick und einen effizienten Informationsfluss zwischen Buchhaltung, Steuern, Controlling und Geschäftsführung. Außerhalb der Bilanz selbst erscheinen Informationen, die für ihre Vollständigkeit entscheidend sind.
„Kopiertes” Modell verwendet ohne Rückblick auf Bilanzänderungen
In der Praxis gibt es immer noch Situationen, in denen das Modell vom letzten Jahr einfach eins zu eins übernommen wird. Und obwohl Buchhalter in solchen Fällen die Eingabedaten aktualisieren, verzichten sie natürlich darauf, die Annahmen oder Vollständigkeit neu zu analysieren.
Das Problem ist, dass sich latente Steuern mit der Bilanz und dem Geschäft ändern.
Wir stellen oft fest, dass das Problem einer bloßen Übernahme des Modells auch für Unternehmen gilt, die die Unterstützung externer Steuerberater in Anspruch nehmen.
Wie ist es möglich, dass ein Steuerberater einen solchen Fehler gemacht hat? Experten verlassen sich auf Informationen, die sie von ihren Kunden erhalten, d.h. wenn z.B. ein neues Konto für eine Gruppe von Rückstellungen im laufenden Jahr eingerichtet wurde, das am Ende des analysierten Jahres einen Saldo von nicht null hat, und der Steuerberater vom Kunden nicht darüber informiert wird, macht er seine Arbeit gut, wird aber in die Irre geführt.
Beispiel
Produktionsfirma X erzielt seit mehreren Jahren Verluste, weist jedoch hohe aktive latente Steuern aus.
Wo kann das Problem liegen:
- Mangel an realistischen Gewinnprognosen,
- überoptimistische Annahmen der Geschäftsführung,
- fehlende Korrelation mit dem operativen Ergebnis.
Erhält der Wirtschaftsprüfer im Verlauf der Prüfung keine angemessenen und ausreichenden Nachweise dafür, dass der Vermögenswert realisiert wird, kann dies zur Notwendigkeit einer zumindest teilweisen Abschreibung dieses Vermögenswerts führen (was wiederum zu einer Verschlechterung des Nettoergebnisses führt und zusätzliche Offenlegungen im Jahresabschluss erfordert).
Rechnungslegungsgesetz vs. IFRS – wesentliche Unterschiede in den Regeln zur Ermittlung latenter Steuern
Im Bereich der Erfassung der aktiven latenten Steuern stützen sich das Rechnungslegungsgesetz und die International Financial Reporting Standards (IFRS) auf das Prinzip, einen Vermögenswert daraus nur insofern zu erfassen, als es wahrscheinlich ist, ihn zu realisieren.
Im Fall von IFRS (genauer gesagt International Accounting Standard 12) ist diese Anforderung jedoch klarer mit der Analyse künftiger Gewinne verknüpft und gilt als ein zentrales Element des Erfassungsprozesses. In der Praxis bedeutet das, dass:
- im Fall von IFRS der Vermögenswert im „Nettowert” ausgewiesen wird, der dem nutzbaren Vorteil entspricht,
- im Fall von Rechnungslegungsgesetz aktive latente Steuern im Zusammenhang mit allen negativen temporären Differenzen, steuerlichen Verlusten, künftig abzugsfähigen und nicht genutzten Steuervergünstigungen ermittelt werden (und zugleich je nach Bedarf Wertberichtigungen darauf vorgenommen werden können).
Auf konzeptioneller Ebene führt IFRS einen strukturierteren Rahmen zur Identifikation und Bewertung temporärer Differenzen ein, mit starkem Fokus auf die Vollständigkeit und Zuverlässigkeit von Prognosen. Das Rechnungslegungsgesetz lässt in dieser Hinsicht mehr Spielraum für die Beurteilung des Unternehmens und der Marktpraxis.
Checkliste für Praktiker
Bei Ermittlung aktiver und passiver latenter Steuern sollte man einige Fragen beantworten:
- Wurden alle temporären Differenzen identifiziert?
- Ist ein Vermögenswert aus aktiven latenten Steuern tatsächlich durch zukünftige Gewinne abgedeckt?
- Wird das Modell auf notwendige Anpassungen analysiert oder nur „kopiert”?
- Wurden Änderungen der Vorschriften und des Geschäftsmodells berücksichtigt?
- Ist die Dokumentation, die die Grundlage für die Ermittlung latenter Steuern bildet, vollständig und angemessen?
Bei Erfüllung der Verpflichtung zur Ermittlung latenter Steuern sollte man aufmerksam sein
Latente Steuern sind ein Bereich, in dem die Grenze zwischen Rechnungslegung und Steuern etwas verschwimmt, und viele Fragen stützen sich auf Urteile und Schätzungen. Daher lohnt es sich, eine Unterstützung in zweifelhaften Situationen in Anspruch zu nehmen. Es ist eine bewährte Praxis, wichtige Angelegenheiten mit einem Steuerberater zu besprechen, auch wenn dieser formell für die Berechnung latenter Steuern nicht verantwortlich ist. Die Ansicht eines Wirtschaftsprüfers kann jedoch ebenso wertvoll sein, weil er nicht nur die technische Korrektheit, sondern auch die Vollständigkeit und Rationalität der getroffenen Annahmen sowie die Qualität der Hilfsunterlagen bewertet.