In diesem Beitrag beantworten wir folgende Fragen:

  • Was sind qualifizierte Vermögenswerte?
  • Wie sind zweckgebundene Fremdkapitalkosten in den Büchern zu erfassen?
  • Welche Verbindlichkeiten umfasst allgemeine Finanzierung?

Fremdkapitalkosten (wie Zinsen auf Kredite und Darlehen, Provisionen oder Wechselkursdifferenzen) sind oft ein wichtiger Bestandteil der Kostenstruktur von Unternehmen, insbesondere in Phasen intensiver Investitionen. Warum? Im Fall der Herstellung von Vermögenswerten durch ein Unternehmen, deren Produktion, Bau oder Anpassung ein langfristiger Prozess ist, kann ein Teil dieser Kosten – unter bestimmten Bedingungen – aktiviert werden, d. h. dem Anfangswert des Vermögenswerts hinzugerechnet werden. Die Aktivierung beeinflusst wiederum direkt das Finanzergebnis des Unternehmens und den Buchwert der Vermögenswerte, deshalb ist ihre ordnungsgemäße Durchführung von entscheidender Bedeutung für die Zuverlässigkeit der Jahresabschlüsse. Wie regeln polnische und internationale Vorschriften diesen Aspekt der Rechnungslegung und was kann getan werden, um Fehler bei der Erfassung von Finanzierungskosten zu vermeiden?

 

Rechtsgrundlagen für Aktivierung von Finanzierungskosten

Methoden zur Aktivierung der Finanzierungskosten werden sowohl durch nationale als auch durch internationale Rechnungslegungsstandards und Rechnungslegungsvorschriften geregelt:

  • das Rechnungslegungsgesetz – sieht vor, dass Finanzierungskosten die Herstellungskosten eines bestimmten Vermögenswerts erhöhen können, wenn sie direkt mit seiner Herstellung zusammenhängen. Im Falle von polnischen Regelungen sind Art. 28 Abs. 4 und Abs. 8 des Rechnungslegungsgesetzes sowie Hinweise in zwei zusätzlichen Dokumenten besonders wichtig:
    • im Nationalen Rechnungslegungsstandard Nr. 11 „Sachanlagen” (KSR 11),
    • im Nationalen Rechnungslegungsstandard Nr. 13  „Herstellungskosten als Grundlage zur Bewertung von fertigen und unfertigen Erzeugnissen” (KSR 13),
  • den International Accounting Standard 23 „Fremdkapitalkosten” (IAS 23) – das ist ein Standard, der ausschließlich den Finanzierungskosten gewidmet ist und einheitliche Aktivierungsregeln in internationaler Hinsicht einführt.

 

Unterschiede zwischen dem nationalen und internationalen Ansatz

  • Nationale Vorschriften legen einen größeren Wert auf die Dokumentation und den direkten Zusammenhang zwischen den analysierten Kosten und der Investition.
  • Dagegen sehen internationale Standards einen umfassenderen Ansatz zur Aktivierung, einschließlich Aktivierung der allgemeinen Fremdkapitalkosten vor.

Im Falle von Unternehmen, die nach nationalen Vorschriften Abschlüsse aufstellen, aber zu einer Unternehmensgruppe gehören, die von ihnen erfordert, Daten gemäß den International Financial Reporting Standards (IFRS) anzumelden, kann der Umfang der Aktivierung variieren. Solche Unternehmen sollten beachten, dass Anpassungen des zu prüfenden Jahresabschlusses oder des an  die Gruppe zu meldenden Pakets notwendig sein können. Im Zweifelsfall lohnt es sich, den geplanten Ansatz mit einem Wirtschaftsprüfer zu besprechen und von seinem Wissen und Erfahrung im Bereich der bewährten Praktiken zu profitieren.

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Qualifizierte Vermögenswerte

Die Aktivierung von Fremdkapitalkosten gilt für qualifizierte Vermögenswerte, für die ein beträchtlicher Zeitraum erforderlich ist, um sie in ihren beabsichtigten gebrauchs- oder verkaufsfähigen Zustand zu versetzen. 

In der Praxis sind qualifizierte Vermögenswerte meistens:

  • Anlagen im Bau,
  • Investitionsimmobilien,
  • Vorräte an unfertigen Erzeugnissen (z.B. bei langfristigen Vorhaben). 

Sowohl die nationale Gesetzgebung als auch die IAS schreiben vor, dass die Aktivierung von Fremdkapitalkosten in einem solchen Fall vom Beginn der Arbeiten an einem bestimmten Vermögenswert bis zu seiner Versetzung in einen gebrauchs- oder verkaufsfähigen Zustand erfolgen sollte.

 

Aktivierung von zweckgebundenen Fremdkapitalkosten

Mit den zweckgebundenen Fremdkapitalkosten haben wir dann zu tun, wenn ein Unternehmen eine Verpflichtung eingeht, um eine bestimmte Investition durchzuführen (z.B. es nimmt einen Kredit für Errichtung einer Produktionshalle auf).

Beispiel:

Nehmen wir an, dass Unternehmen X im Januar 2025 eine dreijährige Investition in Errichtung einer neuen Produktionslinie startete, deren Gesamtkosten auf 3.500.000 PLN geschätzt werden. Das Vorhaben erfüllt die Definition eines qualifizieren Vermögenswertes, weil ein beträchtlicher Zeitraum erforderlich ist, um es in einen gebrauchsfähigen Zustand zu versetzen. 

Im ersten Jahr der Investition nutzte das Unternehmen zwei Fremdfinanzierungsquellen:

  • Kredit A: 1.000.000 PLN, Jahreszins 6% (das Unternehmen erhielt diese Geldmittel noch im Dezember 2024).
  • Kredit B: 2.000.000 PLN, Jahreszins 8% (das Unternehmen erhielt diese Geldmittel am 1. April 2025).
FinanzierungsquelleJahreszinsVerschuldungsbetragJährlicher Anteil am FinanzierungszeitraumZinsbetrag
Kredit A6%1.000.00012 Monate60.000
Kredit B8%2.000.0009 months160.000

Geldmittel aus Krediten, die von dem Unternehmen noch nicht für Investition verwendet wurden, wurden nicht investiert.

In diesem Fall finanzieren alle Verbindlichkeiten den Bau der Halle, sodass die Kosten ihrer Bedienung zum Anfangswert des Vermögenswertes aktiviert werden sollen. Der Kapitalisierungszinssatz wird nach folgender Formel berechnet:

 

 

Der Zeitplan der Ausgaben für Anlagen im Bau war im ersten Jahr der Investition wie folgt:

AusgabetagAusgabe
01.04.2025600.000
01.07.2025700.000
01.10.2025400.000
Zusammen1.700.000

 

Zu aktivierende Fremdkapitalkosten werden als Produkt aus dem Kapitalisierungszinssatz und den gewichteten durchschnittlichen Ausgaben für den Vermögenswert festgelegt. Daher betragen die 2025 zu aktivierenden Fremdkapitalkosten:

600.000 PLN× 8,8%× 9/12= 39.600 PLNFremdkapitalkosten ab 01.04
700.000 PLN× 8,8%× 6/12= 30.800 PLNFremdkapitalkosten ab 01.07
400.000 PLN × 8,8%× 3/12= 8.800 PLNFremdkapitalkosten ab 01.10
Zusammen= 79.200 PLN

 

Aktivierung von allgemeinen Fremdkapitalkosten nach IAS 23

Allgemeine Finanzierung umfasst Verbindlichkeiten, die nicht einer bestimmten Investition zugeordnet werden – z. B. Anleiheemission oder Kontokorrentkredit. IAS 23 erlaubt die Aktivierung eines Teils der allgemeinen Fremdkapitalkosten, wenn das Unternehmen Ausgaben für qualifizierte Vermögenswerte trägt.

In der Praxis ist es schwierig, einen bestimmten Teil des Kredits direkt einer bestimmten Investitionsausgabe zuzuordnen. Daher werden sie von Unternehmen verhältnismäßig zugeordnet, z.B.:

 

 

Ausgaben, die durch einen zweckgebundenen Kredit finanziert werden, sollten aus der Analyse ausgeschlossen werden. Es ist wichtig, dass der aktivierte Betrag den Gesamtwert der in einem bestimmten Zeitraum anfallenden Fremdkapitalkosten nicht übersteigt.

 

Praktische Empfehlungen für Personen, die für die Aktivierung der Kosten eines Unternehmens zuständig sind

Bei der Aufnahme von Darlehen und Krediten sowie der Durchführung von Tätigkeiten unter Verwendung von Fremdfinanzierung sollten zwei Aspekte beachtet werden, die eine reibungslose Erfassung aller notwendigen Posten in den Büchern erleichtern:

  • Dokumentation – jede Aktivierung sollte durch entsprechende Unterlagen unterstützt werden, einschließlich Investitionsplan und Finanzierungsverträge,
  • Zusammenarbeit – für eine vorschriftsgemäße Buchführung ist die Zusammenarbeit zwischen der Finanzabteilung, Buchhaltung  und den Wirtschaftsprüfern entscheidend.

 

Was sind Kosten der Fremdkapitalbeschaffung?

Kosten der Fremdkapitalbeschaffung sind Ausgaben, die einem Unternehmen im Zusammenhang mit der Kapitalbeschaffung unabhängig von ihrem Ergebnis anfallen. Sie umfassen u.a.:

Solche Kosten sind nicht zu aktivieren, sondern im Finanzergebnis der Periode zu erfassen, in der sie getragen wurden.

 

Einnahmen aus Fremdfinanzierung

Einnahmen aus Fremdfinanzierung – z. B. positive Wechselkursdifferenzen, Zinsen auf nicht verwendete Mittel oder Einkünfte aus Anlagen – können den Wert eines Vermögenswerts verringern, wenn sie sich auf die für seine Finanzierung vorgesehenen Mittel beziehen.

 

Beschaffung von Fremdkapital ist eine komplexe Frage

Die Aktivierung von Fremdkapitalkosten ist ein Instrument, das die Finanzlage eines Unternehmens erheblich beeinflussen kann, deshalb sollte man dabei vorsichtig und unter Berücksichtigung verschiedener Vorschriften und Faktoren vorgehen. Schließlich ist eine ordnungsgemäße Unterscheidung zwischen zweckgebundener und allgemeiner Finanzierung und eine richtige Anwendung von Aktivierungsregeln kein unbedeutendes Detail, sondern etwas, was eine zuverlässige Darstellung des Investitionswertes und des Finanzergebnisses ermöglicht.